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Politik · 25. Oktober 2026 · aljazeera.com

Serbien wählt bei vorgezogener Parlamentswahl, während Studentenbewegung Vučićs 14-jährige Herrschaft herausfordert

Serbien hielt am 25. Oktober eine vorgezogene Parlamentswahl ab, bei der ein von Studenten angeführtes Bündnis die Regierungspartei von Präsident Aleksandar Vučić herausforderte – die folgenreichste und unvorhersehbarste Abstimmung, die das Land seit Jahren erlebt hat.

Serbien ging am 25. Oktober zu einer vorgezogenen Parlamentswahl an die Urnen, die aus monatelangen Massenprotesten nach dem Einsturz eines Betonvordachs am Bahnhof von Novi Sad im November 2024 entstanden war, bei dem 16 Menschen getötet wurden. Was als Forderung nach Rechenschaft für die Katastrophe begann, wuchs zu einer landesweiten Bewegung gegen mutmaßliche Korruption und den Umgang der Regierung mit der Tragödie.

Die Wahl war eigentlich erst für Ende 2027 vorgesehen, doch Aleksandar Vučić trat im September von der Präsidentschaft zurück – vor Ablauf seiner zweiten und laut Verfassung letzten Amtszeit – und übernahm die Führung seiner Serbischen Fortschrittspartei (SNS) im Parlamentswahlkampf, wobei er sich als Kandidat für das Amt des Premierministers positionierte. Mit diesem Schachzug rückte der Parlamentswahlkampf ins Zentrum seines Bemühens, vor einer gesondert abzuhaltenden Präsidentschaftswahl die politische Macht zu behalten.

Sein wichtigster Herausforderer ist das Bündnis Studentenliste – Studenten gewinnen, das aus politischen Neulingen wie Akademikern, Lehrern und anderen Berufstätigen besteht und für die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit, ein Ende der Korruption und den Wiederaufbau der Institutionen wirbt. Junge Serben, zuvor die politisch am wenigsten engagierte Gruppe des Landes, wurden zur treibenden Kraft hinter der größten sozialen Mobilisierung Serbiens seit Jahrzehnten.

Alle 250 Sitze der Nationalversammlung wurden in einem einzigen landesweiten Wahlkreis nach Verhältniswahlrecht vergeben, wobei eine Drei-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament galt. Die Wahllokale schlossen um 20 Uhr Ortszeit, vorläufige Ergebnisse wurden rund zwei Stunden später erwartet. Analysten zufolge betrachten viele Wähler die Abstimmung als Referendum über die Herrschaft der SNS, und ein Durchbruch der Studentenliste könnte die politische Landschaft Serbiens verändern und den ins Stocken geratenen EU-Beitrittsprozess des Landes wiederbeleben.

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