„Viele Schrebergärten sind ökologische Wüsten“
Berlin ist mit über 70.000 Parzellen die Kleingarten-Hauptstadt Deutschlands, doch Landschaftsplanerin Jennifer Schulz (Universität Potsdam) sagt, viele adrette, rasenlastige Gärten böten kaum Lebensraum; dichtere Bepflanzung, Laubmulch und Wasserspeicherung würden sie klimaresilienter machen.
Berlin ist die Kleingarten-Hauptstadt Deutschlands: Mehr als 70.000 Parzellen bedecken über 2.900 Hektar - rund drei Prozent der Stadtfläche. Parzellen sind schwer zu bekommen, und wer eine hat, muss mit den Folgen des Klimawandels und mitunter strengen Gartenordnungen zurechtkommen. Im rbb24-Interview sagt die Landschaftsplanerin Jennifer Schulz von der Universität Potsdam, die ein Forschungsprojekt zu urbanen Waldgärten leitet, Kleingärten seien für die Stadt äußerst wertvoll - als grüne Korridore, die Wasser speichern und für Kühlung sorgen, sowie als soziale Räume, „kleine Dörfer mitten in der großen Stadt“. Doch viele adrette, gepflegte Parzellen mit gemähtem Rasen seien „ökologische Wüsten“ ohne Nischen für brütende Vögel oder Insekten. Ihr Rat: dichter bepflanzen mit Bäumen, Sträuchern und vielfältigen Bodenpflanzen; abgestorbene Pflanzen stehen lassen und den Boden mit Laub bedecken, um Humus aufzubauen und Wasser zu speichern; Regenwasser in Tonnen sammeln, kleine Mulden anlegen, Beete mit Stroh oder Laub mulchen und Rasen durch schattenspendende Sträucher und Bäume ersetzen. Von Kirschlorbeer, Thuja und Quecke rät sie ab. Schulz unterstützt die Regel, dass ein Teil jeder Parzelle für Obst und Gemüse genutzt wird, und verweist auf deren pädagogischen Wert für gesunde Ernährung und gegen Lebensmittelverschwendung. Als Vorbild nennt sie die Urbanen Waldgärten in Berlin-Britz - einen 28.000 Quadratmeter großen Kleingartenpark mit einem gemeinschaftlichen Waldgarten, einem essbaren Park und Waldgarten-Parzellen, bei dem Parzellen auch von Wohngemeinschaften gepachtet werden können - und merkt an, dass Berlins Verwaltungsvorschriften seit Juni auch Gemeinschaftsgärten innerhalb von Kleingartenanlagen zulassen. Sie ermutigt die Kolonien, die Flexibilität ihrer eigenen Satzungen zu nutzen, Zäune zwischen Parzellen zu entfernen und Obstbäume entlang der Wege für die Allgemeinheit zu pflanzen.

