Wissenschaftler enthüllen, warum Statine die Muskeln schädigen können — und zeigen einen Ausweg
Forscher der University of British Columbia haben mit Kryo-Elektronenmikroskopie gezeigt, dass Statine sich an ein calciumregulierendes Protein in Muskelzellen binden und es dauerhaft offen halten, was zu einem schädlichen Calcium-Leck führt. Die in Nature Communications veröffentlichte molekulare Entdeckung eröffnet die Möglichkeit, Statine so umzugestalten, dass sie ihre cholesterinsenkende Wirkung behalten, ohne die Nebenwirkungen zu verursachen.
Ein Team der University of British Columbia hat gemeinsam mit Kollegen der University of Wisconsin-Madison den genauen molekularen Mechanismus identifiziert, durch den Statine Muskelschmerzen, Schwäche und in seltenen Fällen schwere Muskelschäden verursachen können — eine Nebenwirkung, die so gravierend ist, dass 7 bis 29 Prozent der Patienten die Behandlung reduzieren oder abbrechen.
Mithilfe von Kryo-Elektronenmikroskopie, mit der Proteinstrukturen auf atomarer Ebene untersucht werden können, konzentrierten sich die Forscher auf Atorvastatin, eines der weltweit meistverschriebenen Statine, und stellten fest, dass es sich an ein Muskelzellprotein namens Ryanodin-Rezeptor (RyR1) bindet. Drei Statin-Moleküle besetzen dabei eine bestimmte Tasche des Proteins: Das erste Molekül erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Calciumkanal öffnet, während zwei weitere Moleküle ihn offen halten, sodass kontinuierlich Calcium in das Muskelgewebe strömt. Die dauerhafte Calciumüberlastung belastet die Muskelfasern und kann sie zerstören.
Die im Oktober 2026 in Nature Communications veröffentlichte Studie ist die erste, die dieses Bindungsmuster aus drei Molekülen mit atomarer Auflösung kartiert. Entscheidend ist, dass sich dieser Mechanismus von dem Weg unterscheidet, über den Statine den Cholesterinspiegel senken — was darauf hindeutet, dass Arzneimittelentwickler Statin-Moleküle gezielt so verändern könnten, dass die Wechselwirkung mit dem Ryanodin-Rezeptor verhindert wird, während die positiven Effekte auf das Herz-Kreislauf-System erhalten bleiben. Weltweit nehmen mehr als 200 Millionen Menschen Statine ein, was diese Entdeckung zu einer der medizinisch bedeutsamsten Erkenntnisse über Arzneimittel-Nebenwirkungen der vergangenen Jahre macht.
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