Persook
Papierkunst-Illustration
Berlin · 27. Oktober 2026 · tagesspiegel.de

Prenzlauer-Berg-Kneipenwirt entfacht Debatte über „Verdorfung“ – Tische leeren sich schon um 21.30 Uhr

Ein Bar-Betreiber in Prenzlauer Berg hat eine Debatte darüber ausgelöst, ob Berlins früheres Ausgehviertel zu sesshaft und bürgerlich geworden ist – Gäste gehen früher, trinken weniger, und die Tische sind bereits um 21.30 Uhr leer, ein Trend, den Anwohner „Verdorfung“ nennen.

Prenzlauer Berg, einst eines der angesagtesten Szeneviertel Berlins, steht im Zentrum einer Debatte über das, was Anwohner „Verdorfung“ nennen – eine schleichende Entwicklung hin zu Häuslichkeit und Bürgerlichkeit.

Ausgelöst wurde die Debatte von Roland Hoppenheit, der seit 23 Jahren die Saphire Bar in der Bötzowstraße in Prenzlauer Berg betreibt und das Nachtleben der Gegend genau kennt. Er beschreibt einen deutlichen Wandel: Gäste bleiben zunehmend fern, trinken weniger, wenn sie doch kommen, und gehen früher nach Hause als früher. Um 21.30 Uhr sind die Tische verlässlich leer.

Das Viertel, das in den 1990er- und 2000er-Jahren ein bohemienhaftes Publikum anzog, tut sich heute schwer, die spontane, bis in die frühen Morgenstunden reichende Kultur aufrechtzuerhalten, die es einst berühmt machte. Die Bevölkerungsgruppe, die früher die Bars bis tief in die Nacht füllte, wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten zunehmend durch sesshaftere, wohlhabendere Bewohner ersetzt, die ruhige Abende bevorzugen.

Hoppenheits Beobachtungen haben eine breitere Diskussion darüber eröffnet, ob diese Verwandlung schlicht das unvermeidliche Ergebnis des sich wandelnden Bevölkerungsmix im Viertel ist – oder ob der Geist des alten Prenzlauer Berg noch wiederzubeleben wäre.

Ganze Meldung lesen Original lesen

Mehr aus dieser Ausgabe