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Berlin · 20. Oktober 2026 · berliner-zeitung.de

SPD-Bezirkschef: 12,1 Prozent geben der Partei kein Koalitionsmandat

Der Reinickendorfer SPD-Bezirksvorsitzende Gilbert Collé ist offen gegen den Kurs seiner Parteiführung aufgetreten und fordert, dass die Berliner Sozialdemokraten eine von der Linken geführte Minderheitsregierung von der Oppositionsbank aus unterstützen, statt nach dem schlechtesten Ergebnis ihrer Geschichte einer Koalition beizutreten.

In einem am 19. Oktober 2026 von der Berliner Zeitung veröffentlichten Interview übte Gilbert Collé, SPD-Bezirksvorsitzender in Reinickendorf, scharfe Kritik an der Entscheidung seiner eigenen Partei, Koalitionsgespräche mit der Linken und den Grünen zu führen. Collé argumentierte, dass das SPD-Ergebnis von 12,1 Prozent – das schlechteste Abschneiden der Partei bei einer Berliner Abgeordnetenhauswahl – keinen demokratischen Regierungsauftrag begründe. „Aus 12,1 Prozent lässt sich wirklich kein Regierungsauftrag ableiten“, sagte er und forderte stattdessen, die SPD solle eine Minderheitsregierung der Linken von außerhalb der Koalition tolerieren.

Er machte ein strukturelles demokratisches Problem aus: Die SPD sei in Berlin seit 36 Jahren ununterbrochen an der Regierung beteiligt, unabhängig von ihrem Wahlergebnis, was sie von der Verantwortung gegenüber den Wählern abschirme. Der Reinickendorfer SPD-Kreisvorstand stimmte gegen eine Koalitionsbeteiligung. Collé erklärte, er werde akzeptieren, wofür sich die Partei letztlich entscheide, bestand aber darauf, dass über den endgültigen Koalitionsvertrag ein Mitgliederentscheid stattfinden müsse. Zudem warnte er vor unbegründeten Angriffen auf die Linke und mahnte, die Debatte solle sachlich bleiben.

Seine Position fand als auffällig abweichende Stimme innerhalb der SPD große Aufmerksamkeit bei den Lesern.

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